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Lebensraumtypen 8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation und Lebensraumtyp 8230 Silikatfelsen mit Pioniervegetation

Vorkommen

Der Lebensraumtyp Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation, des Lebensraumtyps 8230 ist v.a. im östlichen Teil des Projektgebietes in 20 Teilgebieten vertreten. Er kommt auf Felsköpfen oder sehr flachgründigen Böden innerhalb von Magerrasen vor und ist eng verzahnt mit den Silkatfelsen mit Pioniervegetation des Lebensraumtyps 8220, der nur in 3 Teilgebieten anzutreffen ist. Ausgangsgestein ist zumeist Basalt.

Um den lebensfeindlichen Stein überhaupt besiedeln zu können, lösen die Krustenflechten mit Säuren die Ge­steins­oberfläche an. In kleinen Gesteinsspalten und -ritzen kann sich die Feuchtigkeit besser halten und bietet so eine Grundlage für die Ansiedlung von Moosen. Zwischen den Moospolstern sammelt sich Feinerde und Wasser; an besonders günstigen Stellen ist dadurch eine weitere Besiedelung der Felsen und ihrer Kuppen durch Farn- und Blütenpflanzen möglich. Dieser Prozess kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Oft sind diese Pionierasen nur sehr kleinräumig auf wenigen Quadratmetern anzutreffen. Dennoch sind sie meist sehr artenreich, insbesondere in Bezug auf die hier vorkommenden Flechten und Moose.

Offene Felsbildungen gehören zu den gehören zu den gesetzlich geschützten Biotopen (gemäß § 30 BNatSchG in Verbindung mit dem § 13 (1) HAGBNatSchG).

Pflanzen und Tierwelt

Sonnige Felsköpfe und Absätze sind Standorte mit extremen Lebensbedingungen. Ihr Lebensraum wird durch Hitze und Wassermangel bestimmt. Nur ganz speziell an diese Lebensbedingungen angepasste Pflanzenarten vermögen sie zu besiedeln. Die Dickblattgewächse können Wasser speichern und haben einen ausreichenden Verdunstungsschutz, sodass sie auf diesen Standorten anzutreffen sind, wie z.B. der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre). Er überzieht mit seinen Ausläufern die Felsköpfe und durchdringt mit seinem dichten Wurzelfilz die dünne Bodenauflage. Durch rasches Wachstum der Feinwurzeln nach Regenfällen kann der Mauerpfeffer seine Wasserreserven in den dicken, rundlichen Blättern schnell auffüllen und so die nächste Trockenperiode überstehen.

Groß ist das Spektrum einjähriger Gefäßpflanzen, die an den wärmebegünstigten Standorten im zeitigen Frühjahr blühen und fruchten und mit Beginn der trockenen Jahreszeit ihre Entwicklung abgeschlossen haben. Typische Arten sind Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana), Frühlingshungerblümchen (Erophila verna), Kleinblütiges und Klebriges Hornkraut (Cerastium brachypetalum, C. glutinosum), Buntes, Hugel und Steifes Vergismeinicht (Myosotis discolor, M. ramosissima, M. stricta), Feldsalat (Valerianella spec.). Im Sommer bilden ausdauernde Pflanzen wie Fetthennen-Arten (Sedum acre, S. album, S. rupestre und S. sexangulare), Früher- und Feld-Thymian (Thymus praecox, T. pulegioides) einen zweiten Blühaspekt. Unter den Begleitern finden sich viele Arten der Magerrasen.

Gut entwickelte Silikatfelsen mit Pioniervegetation sind sehr arten- und blütenreich. Neben ausdauernden und einjährigen Gefäßpflanzen sind Moose und Flechten aspektbestimmend. Strauchflechten und pleurocarpe Laubmoose wachsen an flachgründigen Stellen. Direkt auf anstehenden Felsen finden sich Blatt- und Krustenflechten sowie akrocarpe Laubmoose.

Besonders hervorzuheben sind die Besonderheiten der hessischen Flora: beispielsweise Hügel-Knäuelkraut (Scleranthus verticillatus), Gestreifter Klee (Trifolium striatum), Zweifelhafter Grannenhafer (Ventenata dubia) und Sand-Wicke (Vicia lathyroides).

Es kommen besonders viele Flechten der Gattung Cladonia auf den Felsen des LRT 8220 vor: Cladonia rangiformis, C. humilis, C. cariosa, C. subulata, C. fimbriata, C. ramulosa, C. rei, C. scabriuscula und C. symphycarpa. Sowie Cetraria aculeata und Peltigera didactyla.

Folgende Moose wurden im LRT 8220 nachgewiesen: Hypnum lacunosum, Brachythecium albicans, Abietinella abietina, Bryum argenteum, Thuidium abietinum, Tortula muralis, Brachythecium albicans, Bryum capillare, Cephaloziella divaricata, Grimmia pulvinata, Hypnum cupressiforme, Polytrichum formosum, Polytrichum juniperinum, Rhytidiadelphus squarrosus und Rhytidium rugosum.

Gerne sonnt sich die Wärme liebende und gut kletternde Zauneidechse auf den Steinen. Das in Hessen seltene Reptil jagt Insekten und andere Kleintiere. Diese schwer zu besiedelnden Standorte sollen zu ihrem Schutz möglichst nicht betreten werden.

Erhaltungszustand des Lebensraumtyp Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (LRT 8220) und des Lebensraumtyp Silikatfelsen mit Pioniervegetation (LRT 8230)im Projektgebiet

Auf Grund seines Arteninventars und seiner Habitatstrukturen ist der LRT 8220 fast vollständig (97%) in gutem Erhaltungszustand vorzufinden. Der LRT 8230 hat auf 90 % der Flächen einen guten Erhaltungszustand. Es sind sogar auf 41,6 % der Flächen auf Grund seines Arteninventars und seiner Habitatstrukturen hervorragend ausgeprägt.

Gefährdungen

Eine potenzielle Gefährdung besteht durch Freizeitnutzung und intensive Beweidung und der damit einhergehenden mechanischen Belastung, beispielsweise durch das Betreten der Felsen. Einige Felsen wurden großflächig bemalt (Graffiti). Mittelfristig besteht eine Gefährdung, wenn die umliegenden Magerrasen nicht ausreichend genutzt werden und sich in der Umgebung der Felsen Gehölze ansiedeln, die sie beschatten.

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Ein hessisches Life+ Projekt


Online: http://www.wetterauer-hutungen.de/de/naturschutz/lebensraumtypen-8220-silikat-felsen-mit-felsspaltenvegetation-8230-silikat-felsen-mit-vegetation-des-sedo-scleranthion.html
Datum: 06.05.2016
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