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Artenportraits für typische Pflanzenarten

Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre)

Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre)

Dass es sich um eine wasserspeichernde Pflanze handelt, ist erkennbar an den dickfleischigen (sukkulenten) Blättern. Der scharf-brennende Geschmack ist Grund für den ungewöhnlichen Namen. Er kommt besonders auf extrem flachgründigen Standorten, oft zusammen mit einjährigen Arten, vor. Er blüht im Frühsommer gelb. Ähnlich sieht der Milde Mauerpfeffer (Sedum sexangulare) aus, die beiden Arten lassen sich am Geschmack auch von Laien unterscheiden.

Es gibt noch zahlreiche Vertreter dieser Gattung, die sich durch Farbe und Größe unterscheiden, gemeinsam ist allen, dass sie ebenfalls Wasser speichern. Weitere Arten der Gattung sind zum Beispiel die Weiße Fetthenne (Sedum album) und die Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre).

Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum)

Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum)

Ihre schmalen Blätter sind durch eine Wachsschicht blaubereift. Dadurch ist der Verdunstungsschutz der Art gut erkennbar. Ihre leuchtend pink-farbenen Blüten sind charakteristisch für viele der Flächen im LIFE+-Gebiet „Wetterauer Hutungen“. Die Kartäusernelke ist eine von drei Arten der Gattung, die regelmäßig auf Magerrasen vorkommen. Diese unterscheiden sich ökologisch. Die Karthäusernelke besiedelt basische, die Heidenelke (Dianthus deltoides) saure Standorte und die Büschelnelke (Dianthus armeria) kommt auf Standorten mit Störungen oder verbrachenden Standorten vor.

Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)

Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)

Die Küchenschelle ist eine frühblühende, attraktive Art kurzrasiger Magerrasen. Ihr Name leitet sich von Kühchen-Schelle her, ihre Blütenform erinnert an eine Glocke. Der Blütenstiel ist zur Fruchtzeit stark verlängert und besitzt zottig behaarte Früchte. Es können mehrere Verbreitungsstrategien genutzt werden: Windverbreitung bei trockenem Wetter, Anhaften an Tieren bei feuchtem Wetter und „Kriechen“ der Samen bei wechselnder Witterung. Sie ist eine Giftpflanze, die von Weidetieren gemieden wird. Trotzdem ist sie stark zurückgehend und daher gefährdet. Es ist eine geschützte Art!

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

Der Wiesen-Salbei ist eine charakteristische Art der mageren Mähwiesen flachgründiger, zeitweiser trockener Standorte. Er enthält wie der Echte Salbei (Salvia officinalis) ätherische Öle, durch die der typische Salbei-Geruch entsteht, hat allerdings nicht die gleiche Wirksamkeit. Bei Bestäubung durch Hummeln werden Pollen mit einem Hebel-Mechanismus auf das Insekt gedrückt.

Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)

Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)

Das Sonnenröschen ist ein niedrigwüchsiger Halbstrauch, das heißt, die Pflanze ist trotz ihrer geringen Größe am Grunde verholzt. Diese Art kann auf Grund ihrer Wuchsform nur auf beweideten Flächen überleben. Bei der Beweidung werden die verholzten Pflanzenteile ungern abgefressen, in gemähten Wiesen würden die verholzten Teile bei jedem Mahdgang abgemäht. Die Pflanze würde das nicht länger überstehen. Die Blüten sind bei Nässe und kühlen Temperaturen geschlossen und daher vor allem bei Sonne geöffnet (Name!). Die Art gehört zu den Zistrosengewächsen, die ihren Verbreitungsschwerpunkt mit vielen Arten im Mittelmeergebiet haben. Vermutlich sind unsere heimischen Sonnenröschen von dort eingewandert.

Färber-Ginster (Genista tinctoria)

Färber-Ginster (Genista tinctoria)

Mehrere Ginster-Arten sind in Magerrasen und Heiden zu finden. Außer dem bekannten hochwüchsigen Besenginster (Cytisus scoparius) sind es vor allem niedrigwüchsige, aber ebenfalls gelb blühende Arten. Der Färberginster ist davon die häufigste Art im Gebiet der Wetterauer Hutungen. Im Juni sind die Pflanzen auf vielen Flächen reichblühend zu finden. Ihre kräftige Pfahlwurzel sorgt dafür, dass sie auch bei längerer Trockenheit noch gut mit Wasser versorgt ist. Der Name weist auf die Nutzung als Pflanze zum Färben hin. Sie enthält einen gelben Farbstoff.

Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis)

Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis)

Orchideen gelten als ganz besondere Pflanzen, was teilweise mit ihrer relativen Seltenheit aber auch ihrer ungewöhnlichen Form der Bestäubung und Samen-Verbreitung zusammenhängt. Ihren Schwerpunkt haben sie auf kalkreichen Böden, die aber im LIFE+-Gebiet selten anzutreffen sind. Auf manchen Magerrasen der Wetterauer Hutungen wächst die unauffällige Orchideen-Art Herbst-Wendelähre. Sie verwelkt im Frühjahr und treibt danach aus der Wurzel neu aus und blüht erst im Herbst. Dies ist als Anpassung an die Sommertrockenheit zu sehen. Der Blütenstand ist wie eine Wendeltreppe gedreht, was der Art ihren Namen gibt. Die Pflanze bleibt meist sehr klein und ist daher darauf angewiesen, dass die Vegetation durch Beweidung kurz gehalten wird.

Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora)

Große Braunelle (Prunella grandiflora) Foto: M. Löhr-Böger

Die Großblütige Braunelle ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine Pflanzenart trotz magerem Standort auffälliger und üppiger blühen kann, als ihre Verwandte auf einem "guten Standort". In Park- und Gartenrasen findet man nämlich die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris).Diese Pflanze sieht ganz ähnlich aus und ist auch fast genauso groß, hat aber im Vergleich nur sehr kleine Blüten. So bieten die Magerrasen nicht nur eine große Artenvielfalt, sondern auch besonders attraktive oder interessanten Pflanzen. Das zusammen macht den "Reichtum der ärmsten Flächen" aus!

Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule)

Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule). Foto: Wolfgang Wagner

Die Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule) hat einen rosettigen Wuchs, ihre Blattzipfel sind bedornt und verhindern so, dass Schafe sie fressen. Sie ist nur auf schafbeweideten Magerrasen oder ihren Brachen anzutreffen. Sie blüht vorwiegend in den Monaten Juli bis September.

Langgestieltes Mannsschildes (Androsace elongata)

Der Langgestielte Mannsschild (Androsace elongata) ist vom Aussterben bedroht und kommt in Hessen nur im Projektgebiet vor. Foto: Marion Löhr-Böger

Die zwei Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Langgestielten Mannsschildes (Androsace elongata) im Projektgebiet sind die einzigen in Hessen. Er blüht im April und Mai und überdauert die trockene Sommerzeit als Samen. Dieses winzige Primelgewächs ist sehr unscheinbar.

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Ein hessisches Life+ Projekt


Online: http://www.wetterauer-hutungen.de/de/naturschutz/pflanzenwelt/artenportraits-fuer-typische-pflanzenarten/
Datum: 26.05.2018
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