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Vorstellung der Schäfereien

Thomas und Willi Etzel

Schäfer Willi und Thomas Etzel mit Schafherde
Willi und Thomas Etzel

Pressemitteilung

Wetteraukreis (pdw).  Wenn am 6. Mai das Keltenmuseum am Glauberg offiziell eröffnet wird und am darauf folgenden Wochenende tausende Besucher das Museum in Besitz nehmen, dann wandeln sie zwischen ökologisch wertvollen Wiesenflächen die die Schafe von Thomas Etzel in ganz besonderer Weise gepflegt haben.

Thomas Etzel, Schäfer in vierter Generation, hält 300 Muttertiere der Sorte Merino-Landschaf. Der Schäfer im Nebenerwerb und sein Vater Willi haben eine lange Erfahrung als Landschaftspfleger. Seit Jahren schon wird der Glauberg und das dortige Plateau von den Etzels beweidet. 20 Hektar beträgt die Fläche, die die Schafe nicht nur kurz halten, sondern gleichzeitig auch düngen. Durch die Wolle übertragen sie Samen von anderen Flächen und sorgen so für eine ökologische Vielfalt, die es andernorts nicht gibt. Würde man die Flächen sich selbst überlassen, dann wären sie bald verbuscht und würden danach zu Wald werden. Das aber ist hier nicht gewollt.

Die Alternative zu den Schafen wäre der Einsatz von Maschinen. Ein aufwändiges Geschäft, denn mit dem Mähen der Fläche ist es längst nicht getan. Das Material muss auch noch entsorgt werden. Ein Jahr lang wurde das probiert mit dem Ergebnis, dass die ökologische Qualität der Fläche nach unten und die Kosten nach oben gegangen sind.

Thomas Etzel, der im Hauptberuf Arbeitsanleiter bei den Regionalen Dienstleistungen Wetterau  (RDW) ist, pflegt nicht nur den Glauberg sondern auch den Enzheimer Kopf und im Herbst die Nidderauen bei Höchst und Lindheim. Auch hier ist die Schafbeweidung außerordentlich wichtig. Sie halten die Vegetation niedrig und erleichtern so im Frühjahr den Wiesenbrütern ihr Geschäft. „Ohne die Schafe könnten wir viele wichtige ökologische Flächen in der Wetterau gar nicht mehr erhalten“, erläutert Christian Sperling, der in der Kreisverwaltung die Verantwortung für ein großes EU-Programm übernommen hat.

Im Rahmen dieses Life+-Programms fördert auch die Europäische Union die Erhaltung der wertvollen Vegetationsflächen in die Wetterau. Solche Trockenrasenbereiche brauchen die Schafhaltung, weil Maschineneinsatz wegen oft unwegsamer Geländezuschnitte meist gar nicht in Frage kommen und deshalb solche Flächen mit seltenen Pflanzen und auch Tiergesellschaften verbuschen.

Als weiteres Beispiel nennt Sperling den Erhalt von Streuobstwiesen. Das Mähen dieser Areale ist mühsam und bringt wenig Geld. Da sind die Schafe als lebende Rasenmäher höchst willkommen.

Schafe sind fleißige Gärtner. Rund 2.500 Quadratmeter pflegt ein Schaf pro Jahr. Mit anderen Worten: Die 300 Muttertiere von Thomas Etzel sorgen für 70 Hektar wertvolle ökologische Flächen. Die Arbeit, die dahinter steckt ist allerdings immens. „Ohne meinen Vater könnte ich diese Arbeit überhaupt nicht leisten.“ Neben seinem Beruf arbeitet Thomas Etzel rund drei Stunden täglich für die Schafzucht. Besonders aufwändig ist es, wenn Schafe, wie bei den Etzels, gehütet werden. Also nicht in Koppeln gehalten und somit überwiegend sich selbst überlassen werden. Hinzu kommen aufwändige Arbeiten wie die Kennzeichnung aller Tiere, Klauenpflege, Wurmkuren, Winterfutter machen, die Vorstellung beim Tierarzt, die Geburt der Lämmer und natürlich das Hüten, das ohne Prinz und Ben, die altdeutschen Hütehunde, überhaupt nicht möglich wäre.

Schäfer ist ein Beruf der wenig Geld aber Erfüllung bringt, weil man mit Tieren im Freien arbeiten kann.  Die meisten Schäfer sind schon froh, wenn sie die Wolle so vermarkten können, das wenigstens die Kosten für die Schur herauskommen. Dabei ist Thomas Etzel durchaus ein Meister seines Fachs. Vor einigen Jahren hat er es immerhin bis zum Hessenmeister gebracht. Bis zu zehn Schafe in einer Stunde kann er scheren.

Freilaufende Hunde sind ein Problem

 Die Merinoschafe der Etzels am Glauberg geben ein liebliches Bild und passen wunderschön in die Landschaft. Fast jeder Besucher des Glaubergmuseums zückt seinen Fotoapparat um die friedlich grasenden Schafe zu fotografieren. Etzel sieht die Zuneigung mit gemischten Gefühlen. Schafe sind Fluchttiere, deshalb reagieren sie mit weglaufen auf jede Störung. Wenn das öfter passiert ist das alles andere als gut für die Entwicklung der Tiere. Deshalb sollten Menschen nicht zu nahe an sie herangehen, streicheln lassen sich die allerwenigsten Schafe. Vor allem freilaufende Hunde von wohlmeinenden Herrchen und Frauchen sind ein großes Problem. Die Hunde versetzen die Schafe in Aufruhr und nicht selten kommt es vor, dass Thomas Etzel mitten in der Nacht raus muss um ausgerissene Schafe wieder einzufangen. Seine Bitte: Wer an einer Schafherde vorbei kommt, sollte seinen Hund anleinen und von den Tieren fernhalten. Dann werden auch in Zukunft die Schafe von Thomas Etzel das Grünland des Keltenfürsten vom Glauberg auf schonende Weise pflegen.

Kurt Lind

Schäfer Kurt Lind mit seinen Schafen
Schäfer Kurt Lind

Pressemitteilung des Wetteraukreises 2010

Bei Kurt Lind zu Hause sieht es so ganz und gar nicht wie bei einem Schäfer aus. Das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass Kurt Lind gar kein richtiger Schäfer ist. Mit seinen 59 Schafen zählt er eher zu den Hobbyzüchtern. Von den Vollerwerbs - Schäfern wird er als einer der ihren anerkannt und wurde in den letzten Jahren gar  zu deren Sprachrohr. „Die haben für Öffentlichkeitsarbeit gar keine Zeit. Deshalb mache ich das. Denn irgendjemand muss es ja machen, sonst gibt es bald keine Schafe mehr und das wäre doch wirklich schade“, erklärt Kurt Lind.

Schafe bauen Stress ab

Kurt Lind ist ein kommunikativer Mensch. Der 68-jährige gelernte Landwirt hielt in den 60er Jahren schon Schafe. Mit seinem Job als Schichtleiter und stellvertretender Abteilungsleiter in einem großen Industriebetrieb in Nidda war das aber irgendwann nicht mehr zu vereinbaren. Erst als die Rente näher kam, legte er sich wieder Schafe zu. Auf Rhönschafe hat sich Kurt Lind spezialisiert. Schafe überhaupt haben für ihn etwas Faszinierendes. „Das sind Tiere, die einfach Spaß machen. Wenn ich Stress habe, dann nehme ich mir einen Strohballen und setze mich in den Stall. Bald kommen die Tiere näher und ich kann mich entspannen. Das Schaf hält aber, anders als der Hund, immer Abstand. Es wird auch nicht so aufdringlich wie des Menschen bester Freund“, erläutert Kurt Lind.

Zu Rhönschafen hat Kurt Lind ein besonderes Verhältnis. Er findet: „Sie sind der Adonis unter den Schafen!“ Ein schwarzer Kopf und ein weißer Körper, das gibt einfach ein herrliches Bild ab. Dazu sind sie genügsam und pflegeleicht. Sie gelten als marschfähig und können auch einmal 20 Kilometer laufen und haben im Gegensatz zu vielen anderen Schafen weniger Probleme mit den Klauen.

In der Wetterau wird eine Vielzahl von verschiedenen Schafrassen gezüchtet

Die Domestizierung des Schafes begann vor rund 10.000 Jahren in Kleinasien und hat sich von dort über ganz Asien und Europa verbreitet. Die Zahl der Rassen geht in die Dutzende. Auch in der Wetterau wird eine Vielzahl von verschiedenen Schafrassen gezüchtet. Vom Suffolk-Schaf über Heidschnucke, Merino-Landschaf, Rhönschaf, Fuchsschaf, Schwarzköpfiges Fleischschaf, Kameruner Haarschaf, Skudden, Rauhwolliges Pommersches Landschaf, Texelschaf, Tiroler Bergschaf und eine Unzahl von Kreuzungen. Hauptsächlich aber werden die Merino-Landschafe und die Schwarzköpfigen Fleischschafe und etwas weniger Rhönschafe und Suffolks gezüchtet.

Kurt Lind koppelt seine Schafe. Das heißt, sie werden nicht von Weide zu Weide getrieben und von den Hunden zusammengehalten, sondern mittels eines Elektrozaunes in einer Koppel abgestellt, wo sie zielgerichtet den Bewuchs kurz halten. Kurt Lind ist ein Aktivist in Sachen Lammmarketing. Er erinnert sich, dass er zu seinem 60. Geburtstag Freunde und Bekannte zu einem Lammmenü in ein Restaurant einladen wollte. „Ich wollte aber, dass mein eigenes Lammfleisch zubereitet wird und nicht irgendwelches tiefgefrorene Fleisch aus Neuseeland. Da habe ich aber statt auf zartes Lammfleisch bei vielen Gastronomen auf Granit gebissen.“ Das war so eine Art Initialzündung für Kurt Lind.

Mittlerweile hat sich die Situation gebessert, manch einer kommt auf den Genuss. Überzeugt wird jeder, der einmal an einem kulinarischen Schäfertreffen teilgenommen hat. Diese finden zwei Mal im Jahr statt, kurz vor Ostern und dann noch einmal Mitte September. Bei einem 5-Gänge-Lammmenü bleibt kein Wunsch unerfüllt. Immer mehr nehmen an diesen Schäfertreffen teil, längst nicht nur Schäfer, sondern auch Feinschmecker, die auf das Lamm kommen.

Kurt Lind ist geistiger Vater des „Wetterauer Land- und Lammgenuss“, der im vergangenen Jahr erstmalig mit großem Erfolg stattgefunden hat und auch in diesem Jahr eine Wiederholung erfährt. „Das verwundert auch überhaupt nicht, denn die Qualität aus der Region überzeugt und ist auch ökologisch sinnvoll, weil weite Transportwege entfallen“, so abschließend der Wetterauer Schäfer.

Peter Link

Der Schäfer Peter Link mit seinen Schafen
Peter Link ist Schäfer mit Tradition

Pressemitteilung des Wetteraukreises 2010:

Peter Link ist Schäfer mit Tradition

Peter Link ist ein Original in Nidda - Eichelsdorf. Der 55-Jährige ist das, was man früher wohl einen Dorfschäfer genannt hätte. Die haben in früheren Zeiten die Schafe der Dorfbewohner auf den gemeindeeigenen Grundstücken gehütet, sie nachts auf den verschiedenen Feldern zur „Dungablage“ eingepfercht und gegen ein kleines Entgelt die Betreuung der Tiere von anderen Bauern übernommen. Im Winter kamen dann die Schafe in die Ställe der jeweiligen Eigentümer. Heute sind fast alle 400 Mutterschafe im Eigentum von Peter Link. Im Gegensatz zu vielen anderen Schäfern aber hütet er seine Tiere. Das heißt, sie werden tagsüber nicht eingepfercht, sondern von Weide zu Weide getrieben.

Peter Link ist ein Schäfer in Tradition. Er übt sein Handwerk in der vierten Generation aus, seit 14 Jahren auch hauptberuflich. Vorher hat er noch nebenberuflich als Metzger gearbeitet. Als dies nicht mehr parallel möglich war, hat er sich für den Schäferberuf entschieden und er bereut es bis heute nicht.

Arbeiten bis zum späten Abend

Sehr früh aufstehen muss man als Schäfer nicht, dafür ist man abends länger unterwegs. Vor zehn Uhr muss Peter Link nicht zu seinen Schafen. Für die ist es ohnehin besser, wenn sie das vom Tau getrocknete Gras fressen. Vorher sind sie im Nachtpferch oder im Stall. Die Tiere werden ausgekoppelt und auf die Weide getrieben. Mit dabei ist Fritz, der 16 Jahre alte Hütehund. Er versteht sein Handwerk bestens und ist so eine Art Lehrer für die anderen Hunde, die Peter Link für sein Handwerk braucht.

Während der Hütezeit sind allerlei Aufgaben für Peter Link auszuüben. Ob kleinere Verletzungen zu versorgen sind, Dornen zu ziehen oder die Klauen zu pflegen, Arbeit gibt es immer genug und wenn es die Ausbildung seiner Hunde ist. Die altdeutschen Hirtenhunde bildet Peter Link selbst aus. „Manches lernen sie zwar von den älteren Hunden, aber vieles muss man ihnen auch selbst beibringen“, weiß der Schäfer. Wie gut das funktioniert, beweist Senior Fritz nach wenigen Pfiffen. Konflikte mit anderen Hundebesitzern gibt es zum Glück nur selten. „Die meisten Hundebesitzer sind vernünftig und leinen ihre Hunde an, wenn sie in die Nähe von Schafen kommen“, bestätigt Peter Link.

Zwischen 14:00 und 15:00 Uhr bringt er die Schafe wieder in die Koppel, um seinen Arbeiten als Landwirt nachzugehen. Spätestens um 17:00 Uhr ist er dann wieder bei den Schafen, dann bis 21:00 Uhr. Beweidet wird gepachtetes Land oder auch städtisches Land, altes Weideland, in der Regel Ödland oder Geringstland, das, was früher die Allmende-Grundstücke in den Dörfern waren und von allen im Ort genutzt wurden.

Heute dient die Beweidung der Erhaltung wertvoller Trockenrasenflächen. „Die Stellen, wo meine Schafe weiden, sind oftmals nicht landwirtschaftlich nutzbar, vor allem nicht mit Maschineneinsatz.“ „Der muss teilweise aber vorher noch erbracht werden“, ergänzt Christian Sperling, der in der Kreisverwaltung die Rolle des Regionalmanagers für das LIFE+-Projekt übernommen hat. „Viele der Flächen sind total verbuscht und müssen mit Freischneider und Motorsäge entbuscht werden. Die Schafe sorgen dann dafür, dass diese Flächen kurz bleiben und sich besondere Pflanzenarten hier wieder ihren Lebensraum zurückerobern können.“

Durch die Hütehaltung kann Peter Link mit weniger Fläche auskommen als bei der Koppelhaltung. „Das liegt einfach daran, dass die Schafe das Gras nicht fressen wollen, wo der Dung liegt. Deshalb ist gerade die Weidehaltung besonders intensiv, weil die Fläche kurz gefressen wird und die Fläche gleichzeitig nicht überdüngt wird.“ Den Schafen bekommt das gut. Nach vier bis fünf Monaten erreichen sie schon ihr Schlachtgewicht von 40 Kilogramm. Der Verkauf von Lammfleisch ist dann auch die wichtigste Einnahmequelle von Peter Link. Zwei Euro gibt es für das Kilo Lebendgewicht eines Schafes. Link erinnert sich noch an Erzählungen aus seiner Kindheit: „Während des Koreakrieges gab es für das Kilo Wolle fünf D-Mark. Das war damals viel Geld. Heute ist Wolle nur schwer zu vermarkten, Baumwolle ist viel billiger.

Merino-Landschafe

Peter Link übt einen Beruf aus, der (noch) ohne Computer zu bewältigen ist. Das kann aber auch bald der Vergangenheit angehören. Noch in diesem Jahr bekommen die Tiere Ohrmarken mit Chip, damit wird deren Lebenslauf bis zum Schlachthof verfolgbar.

Peter Link hat sich bei seinen 400 Schafen auf das Merino-Landschaf spezialisiert. Die ursprünglichen Merino-Schafe kamen aus Spanien, hatten ein weiches, seidiges Fell, das für die hiesigen Breiten gänzlich ungeeignet war, weil es Feuchtigkeit aufsaugte. Eine spezielle Züchtung machte das Merino-Landschaf auch für hiesige Breiten widerstandsfest. Heute sind die robusten Tiere anspruchslos und liefern doch gutes Fleisch und hochwertige Wolle.

Zubereitung ist das A und O

Der Statistik zufolge isst jeder Deutsche mehr als 80 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Lammfleisch kommt aber nur selten auf die Teller. 1,7 Kilogramm zählt die Statistik, weniger als etwa bei Kaninchen. Lammfleisch hat nicht überall ein gutes Image und das ganz zu Unrecht. „Das Fleisch, das wir hier produzieren, hat eine hervorragende Qualität und lässt sich jederzeit mit dem Fleisch, das um die halbe Welt, aus Neuseeland, gereist ist, vergleichen.“ Dem stimmt auch Landrat Joachim Arnold rückhaltlos zu. „Gesunde Produkte aus heimischer landwirtschaftlicher Erzeugung sind gut für unsere regionale Gastronomie und die Stärkung der Schäferbetriebe.“

Gleichzeitig lobte er das LIFE+-Projekt als erfolgreiches Naturschutzprojekt, das dazu beiträgt, das Heimatgefühl zu stärken und die Zusammenarbeit in und die Identifikation mit der Region zu unterstützen. Nicht zuletzt verfolgt der Kreis mit dem Projekt auch ein Klimaschutzziel. „Eine regionale Vermarktung führt zu kürzeren Wegen und das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Tiere“, so abschließend der Wetterauer Landrat. 

Wilhelm Weisselberg

Die Schäfer Wilhelm Weisselberg senior und junior
Schäfer Wilhelm Weisselberg senior und junior

Wilhelm Weißelberg ist schon der dritte Träger des gleichen Namens und wie sein Vater und sein Urgroßvater ist er Schäfer. Weißelberg senior sieht man seine 76 Jahre nicht an. „Ich habe gegen den Willen meiner Eltern den Schäferberuf ergriffen. Nach dem Krieg hat es uns aus dem Ruhrgebiet hierher verschlagen. Als Kind kannte ich nur Bomben und hatte nichts zu essen und hier sah ich Schäfer, die wirklich etwas hermachten. Schöne Herden, gute Kleidung und immer etwas zu essen. Das wollte ich damals auch“, erinnert sich  Weißelberg.

Ein paar Jahre hat Wilhelm Weißelberg senior sich ganz der Schafzucht verschrieben. Dann hatte er mehr als 30 Jahre bei der Bahn gearbeitet, aber immer nebenbei noch Schafe gehabt. Sein Sohn Wilhelm junior hat es nicht anders gemacht. Fast drei Jahrzehnte war er in einer großen Bad Nauheimer Klinik als Elektriker beschäftigt. Seit drei Jahren widmet er sich voll und ganz der Schafzucht. 300 Schafe nennt er sein Eigen. Rhönschafe, Merinos, Texelschafe, das sind die Rassen in seiner 300 Mutterschafe umfassenden Herde.

„Als Schäfer muss ich jeden Tag Schafe sehen, sonst werde ich krank“

„Mit der Schäferei wird man nicht reich“, wissen beide Weißelbergs. „Aber wenn man nicht große Extrawünsche hat, dann kommt man einigermaßen zurecht. Das, was ich tue ist nicht ein Job wie jeder andere. Ich verstehe es auch nicht als Arbeit. Ich mag den Umgang mit den Schafen. Ich will keine Kühe oder Ziegen. Die Schafe liegen mir am Herzen. Jedes Schaf hat seine eigene Individualität. Als Schäfer muss ich jeden Tag Schafe sehen, sonst werde ich krank“, sagt Wilhelm Weißelberg junior. Das kann er aus eigener Erfahrung sagen. Vor einigen Jahren hat er vorübergehend die Schafzucht aufgegeben, um sie nach einem halben Jahr wieder aufzunehmen. Jetzt allerdings als Biobetrieb mit EU-Zertifikat. 70 Hektar Land bewirtschaftet Wilhelm Weißelberg. Ein Großteil sind Europaweit geschützte Naturschutzgebiete, wie etwa die Raketenstation in Ockstadt oder die Magertriften bei Ober-Mörlen, sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete.

Seltene Pflanzen vertragen keine Düngung

Ohne die Schafe hätten seltene Pflanzen wie Heide-Nelke, Klappertopf, Mausohr-Habichtskraut und viele andere keine Chance. „Bei der ersten Düngung verabschiedet sich der Klappertopf“, weiß Christian Sperling, der in der Kreisverwaltung des Wetteraukreises das EU-Projekt organisiert. „Deswegen sind wir Schäfern wie den Weißelbergs so dankbar, dass sie diese wertvollen Magerflächen mit ihren Schafen beweiden und so von Bewuchs freihalten. Dafür bekommen die Schäfer auch Zuschüsse vom Land und von der Europäischen Union. Denn auch wenn Schäfer ihren Beruf vor allem aus Passion ausüben - von Passion allein wird man nicht satt und die ökonomische Situation ist denkbar schlecht.“ Drei Kilo Wolle liefert ein Schaf durchschnittlich im Jahr. Eine Tonne hat Wilhelm Weisselberg um Pfingsten geschoren. Die liegt jetzt fest verpackt als große Ballen in seinem Stall und hofft auf den Rückruf des belgischen Großhändlers, der in den letzten Jahren die Wolle aufgekauft hat – für 50 Cent das Kilo.

Rund zehn Minuten benötigt Wilhelm Weisselberg zum Scheren eines Schafes, macht sechs Stück in der Stunde oder 18 Kilo oder neun Euro. Kein wirklich berauschender Stundenlohn für harte körperliche Arbeit! Die beginnt schon morgens früh um sechs Uhr im Stall. „Da schauen wir nach den Mastlämmern oder den frisch geborenen Lämmern, die mit den Muttertieren zur Schonung erst einmal im Stall stehen.“ Vor neun Uhr kommt er nicht zum Frühstück. Zwischendurch müssen noch die Hunde raus, die heute nicht zum Arbeiten kommen. Dann geht es raus zur Herde, die noch im Nachtpferch steht. Der Pferch für die nächste Nacht muss schon vorbereitet werden und gleichzeitig werden die Schafe bis etwa sechs Uhr abends gehütet. Dann geht es noch einmal zur Kontrolle der Mastlämmer, zum Hundefüttern und gegen 19:00 Uhr endet dann langsam der Tag. Im Sommer freilich kommt dann auch die Ernte von Heu und Stroh dazu und auch die Reparatur von Maschinen kann den Arbeitstag deutlich verlängern.

Eines aber verbindet Kurt Lind, Peter Link und die Weisselbergs: Das ist die Liebe zum Schaf, die Arbeit in der freien Natur und die Unabhängigkeit, die damit verbunden ist. Für die Menschen in der Wetterau, für Ausflügler und Wanderer tragen sie dazu bei, die schönsten Naturschutzgebiete zu bewahren.

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Ein hessisches Life+ Projekt


Online: http://www.wetterauer-hutungen.de/de/schaefer/schaefereien-im-projektgebiet/vorstellung-der-schaefereien/
Datum: 26.05.2018
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